Leipziger wollen nicht in Straßenbahnen wohnen…

18 von den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) ausgemusterte, schrottreife Tatra-Straßenbahnen stehen (seit Jahren) zur Abholung (von wem auch immer) bereit! In den letzten Tagen informierte die Leipziger Volkszeitung (LVZ) über den Straßenbahnfriedhof in Leipzig-Leutzsch. Hier ein Ausschnitt des Artikels:

LVZ - irgendwann im Februar des Jahres 2016
Leipziger Volkszeitung – irgendwann im Februar des Jahres 2016

Aha, der Schrottpreis liegt total am Boden und aus diesem Grund sollen die vergammelten (mittlerweile auch angekokelten) Straßenbahnen weiterhin auf Leutzscher Boden stehenbleiben, in der Hoffnung, dass der Schrottpreis sich wieder aufrafft und zum Klettern anfängt. Irgendwie wäre die Logik ja nachvollziehbar, wenn nicht schon bereits vor 7 Jahren über diese schrottreifen Straßenbahnen berichtet worden wäre. Sogar von BILD. Nunja, das Attribut „Zeitung“ erspare ich mir bei diesem Käseblatt, aber nichtsdestotrotz sei an dieser Stelle zitiert, was im Oktober 2009 dort stand. Hier ein Ausschnitt des Artikels:

BILD - irgendwann im Oktober des Jahres 2009
BILD – irgendwann im Oktober des Jahres 2009

Ach’ne, das gibt es doch nicht! Schon 2009 war der Schrottpreis extrem niedrig? Also auch am Boden liegend? Damals hatte man die glorreiche Idee, dass die Leipziger vermutlich ganz wild darauf seien, Straßenbahnen zu kaufen, um sie sich in ihre Vorgärten, Lauben, Hobbykeller zu stellen oder sogar darin zu wohnen. Die euphorische Verkaufstheorie des Iftec-Geschäftsführers stand jedoch in diametraler Position zu den eingefahrenen Lebensgewohnheiten der Leipziger. Mir ist kein einziger privater Straßenbahnverkauf bekannt, auch sah ich bislang in keinem Vorgarten eine Tatra-Straßenbahn rumstehen. Leipziger wollen nicht in Straßenbahnen wohnen. Sie bevorzugen Plattenbauten.

Da gibt es doch diese Redewendung, in welcher die Wörter „Fehler“ und „daraus lernen“ vorkommen. Der genaue Wortlaut ist mir dummerweise entfallen. Was soll’s! Scheiß der Hund drauf!

Heute schauten wir uns diesen „Straßenbahnfriedhof“ etwas genauer an und kurzerhand fasste ich den Entschluss, 18 Straßenbahnen an einen mir bekannten Schrotthändler zur Selbstabholung in Leutzsch bereitzustellen und zu verkaufen. Für schlappe 15.000.- Euro. Also 3.000.- Euro günstiger, als der Schrotti den Leipziger Verkehrsbetrieben gezahlt hätte. Wegen Selbstabholung räumte ich ihm einen großzügigen Preisnachlass ein. Bedingung war, dass der Betrag im Voraus bezahlt werden musste und die Straßenbahnen in der kommenden Sonntagnacht um 2.30h abgeholt werden müssen. Was für den Schrotthändler kein Problem darstellte.

Die LVB wird mir sicherlich für meine Aktion dankbar sein, denn schließlich nahm ich ihr eine Entscheidung ab, die sie jahrelang nicht in der Lage war zu fällen. Um die Sorge, wie denn das Geld angelegt oder ausgegeben werden sollte, brauchen sich die Leipziger Verkehrsbetriebe ebenfalls keine Gedanken machen, denn auch diesen Part habe ich den Verkehrsbetrieben in meiner grenzenlosen Selbstlosigkeit abgenommen…