Ergebnisse für den Suchbegriff: "Misswirtschaft"

Ehemalige „Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft“ (LPG) in der „Dübener Heide“

Unter einer LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) versteht man die Zwangskollektivierung von Bauern und Bäuerinnen und deren Produktionsmittel zur gemeinschaftlichen agrarischen Produktion. Dies wurde in der ehemaligen DDR praktiziert. Kollektivierung und Industrialisierung der Landwirtschaft gehörten zu den Grundideen des Sozialismus. Kleiner Auszug aus der Programmerklärung des ZK der KPD zur nationalen und sozialen Befreiung des deutschen Volkes (August 1930):

„Wir werden die Herrschaft der Großgrundbesitzer brechen, werden ihren Grund und Boden entschädigungslos enteignen und den landarmen Bauern übergeben, werden Sowjetgüter mit modernstem Maschinenbetrieb schaffen, die Arbeitsbedingungen des Landproletariats denjenigen der städtischen Arbeiterschaft gleichsetzen und viele Millionen werktätiger Bauern in den Aufbau des Sozialismus einbeziehen.“

Tja, hat auch alles nicht geklappt. Letztendlich ist der Mensch eben doch ein Individuum mit eigenen Ideen, eigenem Willen, eigenem Verwirklichungsdrang und kein gleichgeschaltetes Etwas.

Ein Theaterbesuch in Sachsen-Anhalt

Lang, lang ist es her, dass auf der Bühne dieses Theaters gespielt wurde. Hier durften hauptsächlich Laiendarsteller ihr Talent zum Ausdruck bringen – freilich unter gestrenger Aufsicht mehrerer SED-Aufseher. Zu besonderen Anlässen wurden zur allgemeinen Belustigung, Erheiterung (oder als Schlaftablettenersatz) DDR-Stars engagiert.  So auch vom 12. bis zum 21. Juni 1959 – da fanden an diesem Ort die 1. Arbeiterfestspiele von Halle statt. Ende 1998 fiel in diesem ‚Kulturhaus‘ der letzte Vorhang.

Teppiche und geknüpfte Wandbilder aus Wurzen

Mitte des 19. Jahrhunderts gründete August Schütz in Wurzen eine Tapetenfabrik. Seine Söhne stiegen später ins Teppichgeschäft ein. Einige Tapetenentwürfe lieferte übrigens Georg Bötticher, der Vater des Dichters Joachim Ringelnatz. Bötticher hatte auf der Webschule in Chemnitz gelernt. Mit seiner Ankunft 1875 in Wurzen wurde er in der Tapetenfabrik August Schütz als Zeichner angestellt, wo er auch Entwürfe für Teppiche lieferte. Zu Zeiten der DDR produzierte die Wurzner Teppichfabrik unter anderem geknüpfte Wandteppiche, auf denen die Hackfressen der SED-Politiker (abschreckende Beispiele) zu sehen waren. Unten drunter stets der Hinweis: „xx Jahre Deutsche Demokratische Republik“. Selbstverständlich mit Hammer-Zirkel-Logo, damit die gequirlte Scheiße umgehend zugeordnet werden konnte.

Einblicke in ein altes Kesselhaus

Kesselhäuser befinden sich bei Industrieanlagen meist in direkter Nachbarschaft zum Maschinenhaus, wo sich die mit dem erzeugten Wasserdampf angetriebenen Wärmekraftmaschinen (beispielsweise Dampfmaschinen oder Dampfturbinen) befinden. In einem Kesselhaus kann auch der Dampf für eine Fernheizung bereitgestellt werden. Um Kesselhäuser zu betreiben, mussten tonnenweise Natur (Braunkohle) verbrannt werden. Rings um Leipzig wurden aus diesem Grund riesige Löcher gebuddelt, um an die Braunkohle dranzukommen. Der Braunkohletageabbau hat über Jahrzehnte bizarre, von tiefen Furchen durchzogene Haldenlandschaften geschaffen, die auch heute noch an vielen Stellen wie Implantate von anderen Planeten wirken.
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Trotz aller Widrigkeiten beim Braunkohleabbau buddelt der Freistaat Sachsen munter und gewissenlos weiterhin tiefe Krater in die Landschaft. Alles des schnöden Mammons wegen. Teer, Öle und andere Gifte fügen der Umwelt unermesslichen Schaden zu. Das alte Kesselhaus, in dem viele Tonnen wertvolle Natur verbrannt wurden, ist cirka 5 Kilometer von Leipzig entfernt.

Unser Tipp: Urbex statt FIFA-Weltmeisterschaft

Als »Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Brasilien« hatte Gouverneur Sergio Cabral bereits 2007 mit der brutalen Säuberungs- und »Befriedungspolitik« in strategisch und touristisch interessanten Favelas begonnen. Laut offizieller Statistik tötete die Militärpolizei bei ihren »Befriedungseinsätzen« in jenem Jahr 1330 Menschen. 2009 waren es 1049 getötete Favela-Bewohner. Nach offiziellen Angaben ist diese Zahl zwar 2013 auf 416 zurückgegangen, doch zeichnet sich für das WM-Jahr 2014 wieder ein Anstieg ab. Unsere Empfehlung: Betreibt lieber Urban-Exploration, statt die FIFA-WM in Brasilien als ZuseherIn auch noch zu subventionieren. Schätzungsweise 3.000 bis 4.000 Menschen mussten wegen der FIFA-WM in Brasilien ihr Leben lassen. Darunter viele Kinder und Jugendliche. Boykottiert FIFA-Veranstaltungen so lange, bis dieser korrupte und gewissenlose FIFA-Haufen rund um Sepp Blatter nicht mehr existent ist.

Vor Ort in Borsdorf (bei Leipzig): VEB Kunstleder

Dass dieses Gelände komplett kontaminiert sein dürfte, ist so sicher wie das „Amen“ in einer katholischen Kirche. Auf dem Gelände sind allerorten Tanks mit diversen Chemikalien zu finden. Unter anderem wurde Zyklohexanon verwendet, welches zur Herstellung von Perlon (und auch Kunstleder) benötigt wird/wurde. Über dem Gelände schwebt Acetongeruch. Das kontaminierte Betriebsgelände wird teilweise als Pferdekoppel genutzt. Unfreundliche Verwalter empfingen uns mit „HALT, STEHENBLEIBEN“, woraufhin wir erstmal lauthals ablachen mussten.

Gera (in Thüringen) au détail: „Der alte Milchhof“

Im alten Geraer Milchhof wird seit 1995 nichts mehr produziert. Gut fünf Jahre nach der Wende gingen hier die Lichter aus. Es finden sich zwar noch Umsatzlisten von 1999 und Kalender bis 2001, aber dies dürfte daran liegen, dass das Verwaltungsgebäude noch als Lagerraum für die Übernahmegesellschaft „Milchwerke Thüringen GmbH“ fungierte. 2013 nutzte ein polnischer Zirkus einen Teil des Areals als Winterquartier. Wir entdeckten entsprechende Hinterlassenschaften.

Volkseigener Betrieb (VEB) Rundfunk- und Fernmelde-Technik (RFT)

Dieser Betrieb hatte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine fette Standleitung zum nächsten Stasi-Büro, damit Telefongespräche mitgeschnitten und ausgewertet, sowie verdächtige Personen verhört, erschossen oder inhaftiert werden konnten.

Jeder Scheißdreck wurde penibel dokumentiert. Im VEB RFT waren die Männer eindeutig in der Unterzahl. Nicht verwunderlich, dass seitens der männlichen Mitarbeiter Kleidertrennung und Umkleideanlagen gefordert wurden. Die Männer waren vermutlich tagtäglich sexuellen Übergriffen geschlechtslüsterner Frauen ausgeliefert.

Nach der Wende wurden in diesem Betrieb cirka zwei Jahre lang Telefonhörerschalen für die Telekom zusammengebastelt. Der Laden ging mitsamt den Firmeninhabern den Bach runter. Dem Kapitalismus musste Tribut gezollt werden. Seit 1992 liegt dieser Betrieb brach.