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REENACTMENT 2013: Völkerschlacht-Blutrauschwoche in Leipzig

Am 20. Oktober 2013 ist es endlich soweit. Leipzig wird feiern. 200 Jahre Völkerschlacht und 100 Jahre Völkerschlachtdenkmal. Eigens für diese Veranstaltung wurde vom Wahrzeichen Leipzigs der Dreck vergangener Jahrzehnte abgebürstet, damit weithin sichtbar die klobig aufeinandergestapelten Steinquader, bestehend aus Beuchaer Granitporphyr, wieder in hellem Glanze erstrahlen.

Als filigran kann der quadrige „Steinhaufen mit Betonkern“ fürwahr nicht bezeichnet werden und als Friedensdenkmal taugt dieser überdimensionale Schlachtklotz sowieso nicht, da weder 1813, geschweige denn 1913, Frieden im Lande sichtbar war. Außerdem haben Kriegsdenkmäler noch nie Kriege verhindert, sondern eher Patrioten angezogen (Anm. der Redaktion: Es hat schon seinen Grund, warum sich das Wort „Patriot“ auf „Idiot“ reimt)
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Ortstermin in der „Krankenanstalt Leipzig-Dösen“ (altes Park-Krankenhaus).

1901 als psychiatrische Klinik Heilanstalt Dösen in Dösen gegründet, wurde die Einrichtung nach dem Ersten Weltkrieg zur Sächsischen Landesanstalt für Psychiatrie. In der Zeit des Nationalsozialismus war sie an der Aktion T4 (Euthanasiemorde in der NS-Zeit) beteiligt. In der DDR wurde aus ihr das Bezirkskrankenhaus für Psychiatrie Leipzig-Dösen, nach 1990 dann das Park-Krankenhaus Leipzig-Dösen, Städtisches Krankenhaus für Psychiatrie, Chirurgie und Innere Medizin. Der heutige Träger verlagerte das Krankenhaus in einen Neubau im Leipziger Stadtteil Probstheida und gab ihm 2009 den Namen „Park-Krankenhaus“.

Übrigens: Die sächsische Mundartdichterin Lene Voigt verbrachte die letzten Jahre ihres Lebens in der psychiatrischen Klinik in Dösen. Man diagnostizierte ihr Schizophrenie. Ihre Werke verschenkte sie als „sächsischen Kleinkram“ an Mitarbeiter des Krankenhauses, das sie bis zu ihrem Tode am 16. Juli 1962 nicht wieder verließ. Unweit vom Klinikgelände befindet sich heute die Lene-Voigt-Straße.

Schkeuditz: Kleinstadt mit mieser Atmosphäre

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde Schkeuditz zwölfmal niedergebrannt und neunmal geplündert. Der Ortsteil Freiroda war 1660 von Hexenverfolgung betroffen. Das südöstlich der Stadt gelegene „Rittergut Altscherbitz“ wurde ab 1876 als „Provinzial-Irrenanstalt Altscherbitz“ genutzt. Während des 3. Reichs diente diese Anstalt als „Zwischenanstalt“ für die NS-Tötungsanstalt Bernburg im Rahmen der Aktion T4. Schkeuditz ist eine Stadt mit außergewöhnlich schlechten atmosphärischen Schwingungen – kein Wunder, dass in Schkeuditz überall NPD Plakate hängen und um Wählerstimmen gebuhlt wird. Passt wunderbar zur negativen Ausstrahlungskraft dieser Stadt.

Bis zur Wende bestand die VEB Edelpelz Schkeuditz mit zwei Werken. Wir haben die tierverachtenden Ruinen der VEB Edelpelz besichtigt.

Ehemaliges Leichenkühlhaus der Psychiatrie in Altscherbitz

In der 1876 gegründeten „Heil- und Pflegeanstalt Altscherbitz“ wurden Geisteskranke „kolonisiert“. Die Geschichte des Krankenhauses in der NS-Zeit ist noch immer ungeschrieben. Insbesondere die Verstrickung in die „Aktion T4“ (Euthanasiemorde in der NS-Zeit) ist ein weißer Fleck, der dringend der Erforschung bedürfte. Altscherbitz galt während des 3. Reiches als „Psychiatrie des Todes“. An Patienten wurden außerdem Zwangssterilisationen durchgeführt.

Kühlraum für Leichen aus der Altscherbitzer Psychiatrie. Die Leichen wurden übereinander gestapelt.

Freilich achteten die Klinikleiter nach dem 3. Reich darauf, dass aussagekräftige Dokumente wie Pfleglings- und Personalakten, Berichte oder Tagebuchaufzeichnungen vernichtet wurden. Trotz aller Vertuschungsbemühungen sind noch schriftliche Fragmente vorhanden, welche die politische Haltung der damaligen Anstaltsleitung und Diakonenschaft verdeutlichen. Hier ein Auszug einer Festansprache:

„Wir sind durchaus damit einverstanden, dass der neue Staat [Anm. der Redaktion: das NS-Regime] durch gesetzliche Maßnahmen eine Überflutung unseres Volkes mit krankem Menschentum abzuwehren sucht. […] Was auf den deutschen Landstraßen heimatlos, arbeitslos, hoffnungslos, oft auch ehrlos herumirrt, was in den Siechenstationen unserer Blöden- und Epileptischen-Anstalten krank daniederliegt, das verdankt sein Elend nicht nur und nicht einmal in erster Linie eigener Verschuldung, sondern das ist Opfer einer verdorbenen Volksgemeinschaft, einer entarteten Volkskultur.“

Insgesamt entdeckten wir in der verbarrikadierten Kapelle fünf verzinkte Leichenbahren.

Als wir in den letzten Tagen durch Schkeuditz und Altscherbitz liefen, um der Psychiatrie-Geschichte ein wenig auf den Grund zu gehen, fiel uns auf, dass Altscherbitz und Schkeuditz mit NPD-Plakaten zugebombt waren. Viel scheint sich in diesen Orten nicht geändert zu haben.

Die Psychiatrie Alterscherbitz wurde seinerzeit mit eigenem Friedhof ausstaffiert. Die Bilder wurden in der verbarrikadierten Friedhofskapelle aufgenommen. Das gesamte Friedhofsareal ist gut eingezäunt und das Portal verschlossen.

Sollte vielleicht auch noch erwähnt werden: Nachwievor gibt es in Altscherbitz eine Psychiatrie – in den gleichen Gemäuern wie vor knapp 140 Jahren. Der Friedhof wird nur nicht mehr genutzt.