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Amsterdam-Fahrrad aus den 70ern in der Nähe einer Industriebrache gefunden…

Bei unseren unregelmäßigen Exkursionen in Sachen Industriebrachen, entdeckten wir unter einem Haufen  Dreck und Schrott das Vorderrad eines Amsterdam-Fahrrades – es lugte aus erwähntem Müllberg heraus und flehte uns bitterlich an: „Holt mich hier raus, ich will noch nicht sterben!“

Dieser Wunsch war uns Befehl und in mühevoller Kleinarbeit wurde das Fahrrad wieder fahrbereit gemacht. An einem warmen Sommertag unternahmen wir dann mit dem wieder zum Leben erweckten Amsterdam-Fahrrad aus den 70er Jahren eine kleine Tour inklusive Fotoshooting.

Diese Bilder könnten diesmal ein wenig teurer werden als gewohnt…

…und das alles wegen eines Fußballspiels der Leutzscher Mannschaft, welches ausnahmsweise völlig ohne Fanklopperei oder anderweitigen fußballüblichen Vorkommnissen stattgefunden zu haben scheint, denn den mit Fernrohren ausgestatten Polizisten war es während der Amateur-Kickerei vermutlich so langweilig, dass sie mit ihren optischen Geräten nicht nur nach „Fußball-Ausschreitungen“ Ausschau hielten, sondern stattdessen die fernliegende Umgebung beglotzten und dabei  zwei völlig harmlose Urban-Explorer erblickten, welche sich auf dem  obersten Stockwerk einer (fast) dachlosen und problem- und gefahrlos (sofern man in der Lage ist, über ein ca. 70 cm hohes Mäuerchen zu hüpfen, klettern oder steigen) zu besichtigenden Leutzscher Industriebrache befanden, um dort ein Fotoshooting zu absolvieren. Schnell wurden die Fotoshooting-Urban-Explorer von zwei Seiten eingekreist, nachdem sie die Industriebrache bereits verlassen hatten und an Bahngleisen entlanglaufend die nächste Industriebrache aufsuchen wollten. „Vorsichtshalber“ wurde von den übereifrigen Polizeikräften auch noch die Feuerwehr und ein Rettungswagen bestellt.

Freilich hörten die Urban-Explorer das Tatü-Tata, dachten aber keineswegs daran, dass dieses Aufgebot zu ihrer „Sicherheit“ aufgefahren wurde, sondern waren felsenfest der Überzeugung, dass dieser Aufmarsch an Polizeikräften und Notfallfahrzeugen sicherlich wegen des Leutzscher Fußballspiels stattfindet. Da hatten sich die zwei aber ordentlich getäuscht.

Ein besorgter und leicht übergewichtiger Polizist, sowie zwei Polizistinnen (sie schienen mir auch etwas übergewichtig), joggten den Missetätern entgegen, während diese in aller Ruhe noch letzte Außenaufnahmen von dem erkundeten Gebäude schossen. Die untergehende Sonne bot schließlich wunderbares Licht. Keuchend erreichte die exekutive Dreierbande die „Erkunder des städtischen Lebensraums“ und klärten jene bei Ankunft (dabei völlig außer Atem) über all die Straf- und Ordnungswidrigkeiten auf, welche diese begangen haben sollen. Ebenso wurden den beiden mitgeteilt, dass Feuerwehr und Rettungswagen zwecks Sicherheit und eventueller Notfallrettung herbeigerufen worden sind. Wegen einer kleinen Beule am Kopf wäre dies meines Erachtens nicht nötig gewesen, denn der von der Polizei belehrte Urban-Explorer hatte sich zwar eine kleine Verletzung zugezogen (weil er in einem neben der Industriebrache liegenden Schuppen aus Unachtsamkeit mit dem Kopf gegen ein Metallrohr gelaufen war), aber die Verletzung war seinerseits eigentlich längst vergessen. Die Urban-Explorer sollten nun ihre Ausweise vorzeigen. Das Fotomodell bemerkte gegenüber der Polizei, dass es ihr nicht möglich sei einen Ausweis bei sich zu führen, weil dieser nicht in ihre kleine Geldtasche passt. Stattdessen zeigte sie ihren Organspendeausweis, was eine der beiden Polizistinnen missfiel und  daraufhin meinte, dass dies aber zynisch sei. Nunja, dieser Zwischenruf der Polizistin muss nicht verstanden werden. Was soll an einem Organspendeausweis zynisch sein?

Die Exekutive setzte sich daraufhin mit der Zentrale in Verbindung, welche die Daten des Fotomodells überprüfen sollte. Nach 10 Minuten stellte sich dann endlich heraus, dass die auf dem Organspendeausweis eingetragenen Daten wohl mit den Daten des Einwohnermeldeamts übereinstimmen und ließ die beiden endlich ziehen – selbstverständlich in Begleitung eines mittlerweile zusätzlich erschienenen Polizisten. Der wusste aber nicht so recht, wie man aus dem Gelände raus kommt und beauftragte den erfahrenen Erkunder des städtischen Lebensraums mit der Rückführung der Dreiergruppe (Polizist, Urban-Explorer und Fotomodell – die anderen drei PolizistInnen nahmen einen anderen Rückweg). Der Aufstieg zur Straße bereitete dem  ebenfalls übergewichtigen Polizisten ein wenig Probleme, er schlug sich aber tapfer. Oben angekommen fand dann die Verabschiedung statt. Man wünschte sich einen schönen Tag.

Mal sehen, wie die Staatsanwaltschaft die Verhältnismäßigkeiten dieses Einsatzes beurteilen wird. Jedenfalls sind die Bilder schön geworden und letztendlich kommt es nur darauf an…

Alternative Ansichten von Magdeburg

Magdeburg wurde während des Dreißigjährigen Kriegs nahezu vollständig verwüstet. Der Zweite Weltkrieg setzte der Ottostadt Magdeburg ebenfalls mächtig zu. Nach einem Luftangriff waren 90% der dichtbesiedelten Altstadt, 15 Kirchen und weite Teile der Gründerzeitviertel erheblich zerstört. Der Unrechtsstaat DDR sorgte sich wenig um die Instandsetzung von kriegszerstörten Bauwerken. Die Damen und Herren der SED bevorzugten es abzureißen, als sich um den Wiederaufbau zu kümmern. Nach der Wende wurde zwar die Innenstadt saniert und für Touristen attraktiv aufbereitet, aber alte Firmen, Mühlen, Brauereien, etc. verwittern bis zum heutigen Tag und stürzen ein. Somit ist Magdeburg zu einem kleinen Eldorado für Urban Explorer geworden.


Das rekultivierte Naturparadies „Geiseltal“ in Sachsen-Anhalt

Bevor man eine (kleine) Reise macht, ist es nicht verkehrt, sich zu informieren, was einen am Zielort erwartet. Über Pfingsten unternahmen wir eine Spritztour in das in Sachsen-Anhalt gelegene „Geiseltal“. Zuvor besuchten wir die Homepage der „Geiseltaler Touristikgesellschaft GmbH“. Dort war über das Geiseltal zu lesen:

„Dieses Gebiet zählt als heutiges Naturparadies zu einer der geschichtsträchtigsten und schönsten Regionen Mitteldeutschlands. Mit der Rekultivierung seit den 1990er Jahren gelang die Geiseltaler Seenlandschaft mit den Gewässern Geiseltalsee, Großkaynaer See, Runstedter See und Hasse See zunehmend in den Fokus zahlreicher Reisender. Der Ausbau einer touristischen Infrastrukur, vor allem in der Region um den Geiseltalsee als größter künstlich angelegter See Deutschlands, ist das Hauptanliegen der Geiseltaler Touristikgesellschaft.“
[Zitat von der Homepage der Geiseltaler Touristikgesellschaft]

Und so sah es im Geiseltal dann aus:
(Kleine Anmerkung an dieser Stelle: Einer der Aufnahmeorte der untenstehenden Bilder, ist lediglich 150 bis 200 Meter vom vielgepriesenen „Naturparadies Geiseltalsee“ entfernt.)


FAZIT: Ja, der Werbeaussage der „Geiseltaler Touristikgesellschaft GmbH“ kann zugestimmt werden. Die Natur ist eindrucksvoll darum bemüht, jahrzehntelangen Raubbau an ihr zu neutralisieren und verschlingt nun ganze Fabriken, welche seinerzeit dazu beitrugen, dass großflächig fruchtbare Erdböden vergiftet wurden.

Sonntagsausflug in ein Sumpfgebiet am Rande von Leipzig

Der Titel von „www.urbexandmore.com“ lautet: „Urbex & more“. Heute haben wir uns dem „& more“ gewidmet. Genauer gesagt einem Sumpfgebiet am Rande von Leipzig. Ein kleines Stück (fast) unberührter Natur, wenn man mal davon absieht, dass nahe dem Sumpfgebiet eine Autobahn entlangführt und mitten im Sumpfgebiet bereits eine Autobahnbrücke gebaut wird und somit dieses Sumpfgebiet bald der Vergangenheit angehören wird. Ja, wenn die Leipziger nicht bauen und buddeln dürfen, werden sie schnell unzufrieden, obwohl sie dies meines Erachtens nach immer sind. An dieser Stelle sei nur das Stichwort „Legida“ erwähnt und die geneigte Leserschaft wird verstehen, was ich meine. Heute wollten wir unseren Tag fernab von unzufriedenen, paranoiden Menschen verbringen und uns nicht mit dem grenzdebilen, xenophoben Legida- und Pegida-Scheißdreck beschäftigen. Unsere fast 18-jährige (und somit bald volljährige) Hündin Flocke begleitete uns bei der Exkursion. Selbstverständlich darf dieses Stück „unberührter Natur“ eigentlich nicht betreten werden. Schilder wie „Vorsicht Lebensgefahr, Bergbaugelände“ und „Nicht betreten – Deponie“, sowie „kilometerlange 2-Meter-Zäune mit sehr spitzen Enden (aua)“ und „diverse verschlossene Schranken“ sollen potentielle Besucher davon abhalten, diesen Landstrich aufzusuchen. Wie man weiß, locken solche Schilder ja insbesondere Urban-Explorer an…


ANNOTATION: Um ein echtes Stück unberührter Natur handelt es sich freilich nicht bei diesem Sumpfgebiet. So etwas findet man in der ehemaligen DDR nicht. Dieses Sumpfgebiet entstand, weil hier früher aus einem riesengroßen Loch Kohle gebaggert wurde. Nach der Wende wurde die Kohleförderung aus diesem Loch eingestellt und eine „Renaturierung“ fand statt. Das bedeutet schlicht und ergreifend, dass das Loch mit Wasser geflutet wurde und somit am Rand des Loches ein Sumpfgebiet entstand. Von „unberührter Natur“ kann somit keine Rede sein. Die Natur wurde in diesem Landstrich missbraucht. Vergewaltigt. Wie überall in der ehemaligen DDR.

Leipziger wollen nicht in Straßenbahnen wohnen…

18 von den Leipziger Verkehrsbetrieben (LVB) ausgemusterte, schrottreife Tatra-Straßenbahnen stehen (seit Jahren) zur Abholung (von wem auch immer) bereit! In den letzten Tagen informierte die Leipziger Volkszeitung (LVZ) über den Straßenbahnfriedhof in Leipzig-Leutzsch. Hier ein Ausschnitt des Artikels:

LVZ - irgendwann im Februar des Jahres 2016
Leipziger Volkszeitung – irgendwann im Februar des Jahres 2016

Aha, der Schrottpreis liegt total am Boden und aus diesem Grund sollen die vergammelten (mittlerweile auch angekokelten) Straßenbahnen weiterhin auf Leutzscher Boden stehenbleiben, in der Hoffnung, dass der Schrottpreis sich wieder aufrafft und zum Klettern anfängt. Irgendwie wäre die Logik ja nachvollziehbar, wenn nicht schon bereits vor 7 Jahren über diese schrottreifen Straßenbahnen berichtet worden wäre. Sogar von BILD. Nunja, das Attribut „Zeitung“ erspare ich mir bei diesem Käseblatt, aber nichtsdestotrotz sei an dieser Stelle zitiert, was im Oktober 2009 dort stand. Hier ein Ausschnitt des Artikels:

BILD - irgendwann im Oktober des Jahres 2009
BILD – irgendwann im Oktober des Jahres 2009

Ach’ne, das gibt es doch nicht! Schon 2009 war der Schrottpreis extrem niedrig? Also auch am Boden liegend? Damals hatte man die glorreiche Idee, dass die Leipziger vermutlich ganz wild darauf seien, Straßenbahnen zu kaufen, um sie sich in ihre Vorgärten, Lauben, Hobbykeller zu stellen oder sogar darin zu wohnen. Die euphorische Verkaufstheorie des Iftec-Geschäftsführers stand jedoch in diametraler Position zu den eingefahrenen Lebensgewohnheiten der Leipziger. Mir ist kein einziger privater Straßenbahnverkauf bekannt, auch sah ich bislang in keinem Vorgarten eine Tatra-Straßenbahn rumstehen. Leipziger wollen nicht in Straßenbahnen wohnen. Sie bevorzugen Plattenbauten.

Da gibt es doch diese Redewendung, in welcher die Wörter „Fehler“ und „daraus lernen“ vorkommen. Der genaue Wortlaut ist mir dummerweise entfallen. Was soll’s! Scheiß der Hund drauf!

Heute schauten wir uns diesen „Straßenbahnfriedhof“ etwas genauer an und kurzerhand fasste ich den Entschluss, 18 Straßenbahnen an einen mir bekannten Schrotthändler zur Selbstabholung in Leutzsch bereitzustellen und zu verkaufen. Für schlappe 15.000.- Euro. Also 3.000.- Euro günstiger, als der Schrotti den Leipziger Verkehrsbetrieben gezahlt hätte. Wegen Selbstabholung räumte ich ihm einen großzügigen Preisnachlass ein. Bedingung war, dass der Betrag im Voraus bezahlt werden musste und die Straßenbahnen in der kommenden Sonntagnacht um 2.30h abgeholt werden müssen. Was für den Schrotthändler kein Problem darstellte.

Die LVB wird mir sicherlich für meine Aktion dankbar sein, denn schließlich nahm ich ihr eine Entscheidung ab, die sie jahrelang nicht in der Lage war zu fällen. Um die Sorge, wie denn das Geld angelegt oder ausgegeben werden sollte, brauchen sich die Leipziger Verkehrsbetriebe ebenfalls keine Gedanken machen, denn auch diesen Part habe ich den Verkehrsbetrieben in meiner grenzenlosen Selbstlosigkeit abgenommen…

„Meißen mit seinem besonderem Reiz verzaubert…“

…dies meint zumindest die Tourist-Info der Stadt Meißen. Weiter heißt es in einem Werbeblättchen: „Mit ihrer Lage im Elbtal und auf den angrenzenden Höhen bietet die Stadt unterschiedliche Wohnlagen für jeden Anspruch. Der Beweis dafür: Bereits seit mehreren Jahren liegt der Zuzug von Neumeißnern deutlich über der Zahl derer, die Meißen verlassen.“

Werte Tourist-Info, das stimmt so nicht! In den letzten Jahren war eher Flucht, als Zuzug nach Meißen die Regel. Dies kann auch belegt werden:
Einwohnerzahl 1995: 32.200 / Einwohnerzahl 2014: 27.200

5.000 Meißner haben sich demzufolge in den letzten 20 Jahren entweder vom Acker gemacht oder den Freitod gewählt. Nicht sonderlich verwunderlich. Die Porzellanmanufaktur steht seit Jahren am Rande eines sehr, sehr tiefen Abgrundes und die Elbe sorgt in steter Regelmäßigkeit für Überflutung vieler Keller und erdgeschossiger Wohnräume. Wohnungen im 1. Stockwerk sind in bestimmten Wohngebieten mindestens anzuraten. Nachdem ich heute diverse Hochwassermarken gesehen habe, empfehle ich jedoch eher Wohnungen im 2. Stockwerk.

Regelrecht krampfhaft werden in allen Gassen Gewerbetreibende für leerstehende Läden gesucht. Selten so viel zu vermietende Ladengeschäfte gesehen wie in Meißen.


Nachtrag: Anbei noch ein interessanter Link:
Gift in Weinen aus Meißen

Das alte Lederwerk in Coswig (Sachsen)

Für alle Unwissenden: In Dunkeldeutschland gibt es zwei Städte mit dem Namen „Coswig“. Eine befindet sich in Sachsen, die andere in Sachsen-Anhalt. Beide Städte liegen an der Elbe und sind von Leipzig fast gleich weit entfernt (aber in entgegengesetzter Richtung). Selbstverständlich gibt es in beiden Coswigs auch eine Industriestraße. Reichlich bekloppt! Warum ich das an dieser Stelle erwähne, werde ich meiner geneigten Leserschaft nicht verraten…

Weiter im Text: Diesen Samstag erforschten wir ein Lederwerk in Coswig (Sachsen), welches 1906 von Heinrich Bierling errichtet wurde. Zu DDR-Zeiten krallte sich im Jahre 1955 der Staat das Werk und benannte es in „VEB Lederwerke Coswig“ um. Nach der Wende ging es mit dem Werk bergab – vermutlich lief der Laden vor der Wende auch nicht sonderlich gut, aber das war ja damals wurscht. Man ging eben zum Biertrinken und Kartenspielen ins Lederwerk. 1991 wurde das Werk geschlossen, jedoch unternahmen ehemalige Werksangehörige im Jahr 1992 den verzweifelten Versuch, das Lederwerk unter dem Namen „Coswiger Lederwerk GmbH“ neu zu beleben. Alle Versuche scheiterten, das Werk ging 1995 in Konkurs. Nach dem in der DDR niemals real existenten Kommunismus und Sozialismus, sorgte der darauffolgende real existierende Kapitalismus für den finalen Todesstoß des Lederwerks.

Zeitz: Eine Stadt gammelt vor sich hin.

29.500 Einwohner, Burgenlandkreis, Sachsen-Anhalt, vermutlich seit 1.000 Jahren Weinanbaugebiet, Bierlager-Katakomben, Kinderwagenmuseum, Schloss Moritzburg, ZeKiWa (Kinder- und Puppenwagenproduktion zu DDR-Zeiten).

Soweit die Fakten. Interessant der zu beobachtende Einwohnerschwund in Zeitz: Einwohnerzahl 1989: Knapp 44.000. Einwohnerzahl 2015: Knapp 30.000.

In den letzten 25 Jahren haben sich somit ungefähr 15.000 Zeitzer vom Acker gemacht (Gratulation!). Wenn man sich Zeitz anschaut, dann erkennt man schnell den Grund für die Stadtflucht. Zeitz gammelt vor sich hin. Das Stadtbild ist geprägt von Abrissflächen und Ruinen. Gründerzeitliche Straßenviertel sind von Leerstand und Verfall gekennzeichnet. DDR-Misswirtschaft und der anschließend real existierende Kapitalismus trugen zum Verfall dieser Stadt bei.

Achja, das sollte anbei erwähnt werden: Am 18. August 1976 verbrannte sich der in Zeitz seinen Dienst verrichtende Geistliche Oskar Brüsewitz öffentlich, um ein Zeichen gegen das DDR-Regime zu setzen. Heutzutage würde sich Brüsewitz anzünden, weil der gesamte Burgenlandkreis zu einem stinkenden, braunen Sumpf verkommen ist, in dem sich Nazis wie Fische im Wasser bewegen und straffrei Asylbewerberheime abfackeln können (Tröglitz).

Fazit: Man kann mal durch Zeitz durchfahren, es muss aber nicht sein. Empfehlung: Zeitz großräumig umfahren…


Das alte Förderband für Braunkohle

In der Nähe von Leipzig entdeckten wir ein altes Förderband, welches im Laufe der Jahrzehnte vermutlich mehrere Millionen Tonnen Braunkohle in die Öfen des darunterliegenden Kesselhauses schaufelte. Freilich alles auf Kosten der Umwelt. Wegen der hohen Umweltverschmutzung stand es mit der Gesundheit der DDR-Bewohner nicht gerade zum Besten. Ende der 1980er-Jahre war die Umweltsituation in der DDR dramatisch. Die DDR hatte 1988 knapp 17 Millionen Einwohner, Japan weit über 120 Millionen. Dennoch wurden in der DDR 30-mal so viel Schwefeldioxid emittiert, 100-mal mehr Staub und dreimal so viel CO2. Ja, Umweltschutz und Menschenleben waren der DDR-Regierung nicht egal, sondern scheißegal. Das alte Förderband trägt somit eine Mitschuld. Wann wird es endlich zur Verantwortung gezogen?

URBEX-GEFAHR: Monsterratten in Leipziger Industriebrachen

Urban Explorer aufgepasst: In Leipzig besiedeln derzeit hungrige, blutlüsterne Monsterratten diverse Industriebrachen. In verfallenen Industriegebäuden finden Ratten kaum Nahrung, da bereits alles aufgefressen wurde. Ratten bevorzugen Nahrung aus Mülltonnen. Essensreste. Die sind in Industriebrachen jedoch nicht mehr zu finden. So blieb den Ratten nichts anderes übrig, als ihre Nahrung umzustellen und mit dem vorlieb zu nehmen, was in verlassenen Firmengebäuden zu finden ist: Urban Explorer. Es häufen sich derzeit Berichte von Urban Explorern, die mit ansehen mussten, wie ihre Kollegen und Kolleginnen bis auf die Knochen aufgefressen worden sind. Auch aus unserem Trupp mussten wir einen schmerzlichen Verlust hinnehmen und uns von einem 97-jährigen Urban Explorer verabschieden, der uns zuweilen begleitete. Er war wegen seines hohen Alters nicht mehr schnell genug. Seine Flucht scheiterte schmerzvoll und blutig. Es gibt von diesem Vorfall eine Videodokumentation, die wir (leider) nicht auf www.urbexandmore.com veröffentlichen können, da diese Seite auch von jüngeren Urban Explorern besucht wird. Anbei einige Bilder von den Unterschlüpfen der Monsterratten.

LEUNA. Ein geschichtsträchtiger, berüchtigter Ort.

Leuna hat zwar nur knapp 14.000 Einwohner, ist aber weit über die Grenzen von Sachsen-Anhalt und Deutschland hinaus bekannt – zumindest der in Leuna ansässige Chemiepark. Helmut Kohl dürfte Leuna auch noch sehr gut in Erinnerung haben, aber mittlerweile hat Kohl mithilfe seines breiten Arsches alles ausgesessen, was es zum Aussitzen gab. Unter anderem 80 Millionen Mark Schmiergeldzahlungen (Lobbying-Zahlungen), die bei der Privatisierung der Leuna-Raffinerie geflossen sind. Unklar nur, in welche Taschen. Unter Verdacht standen (wie so oft) die CDU und Gewerkschaften. Ein konkreter Zahlungshinweis konnte nie gefunden werden. Dies könnte daran gelegen haben, dass nach dem Regierungswechsel im Jahr 1998 plötzlich Regierungsakten verschwunden waren (Stichwort: Bundeslöschtage). Sechs Aktenbände aus dem Leuna-Komplex fehlten. Ja, so wird bis zum heutigen Tag Politik gemacht. Daran hat sich nichts geändert…